Das von Wällen und
Gräben umgebene und nur durch eine Zugbrücke zu betretende
befestigte Haus nebst einem Turm lag auf einer Anhöhe unweit des
heute wüsten Dorfes Wichmannsdorf. Die Ursprünge dieser Komturei
werden im ausgehenden 12. Jahrhundert vermutet.
Die Komturei in Wichmannsorf war der Sitz des Präzeptors von
Niederdeutschland und dem Slawenland, sowie das Zentrum der
Templerprovinz Magdeburg.
Der Besitz der Templerkomturei Wich- mannsdorf vergrößerte sich
schnell. In Urkunden lässt sich dies für den Zeitraum von 1223
bis 1304 eindrucksvoll belegen: In einer Urkunde aus dem Jahre
1215 verleiht der Herzog Otto von Lüneburg sein Eigentum im Orte
Groß Santerselben den Templern in Wichmannsdorf. Bis zum Jahre
1289 gelangt der größte Teil des Dorfes Bülstringen in den
Besitz der Templer. Im Jahre 1289 schenkt ein Graf Konrad den
Templern zu Wichmannsdorf das Dorf Wolfshausen.
Der letzte Komtur der Komturei Wichmannsdorf war zugleich der
letzte Präzeptor der Templer in Niederdeutschland: Friedrich von
Alvensleben. Über Friedrich von Alvensleben sagte Papst Pius
II., er sei "ein ausgezeichneter Mann, in dem sich der Adel
eines uralten Geschlechts, persönliche Würde, Charakterstärke
und Seelengröße mit einer strengen Gerechtigkeit verbunden hat".
1307 verkauft Friedrich von Alvensleben alle Güter der Komturei
Wichmannsdorf seinem Bruder Albrecht von Alvensleben. Friedrich
von Alvensleben, und vermutlich auch die in der Komturei noch
verbliebenen 4 Ritter, treten dem Orden der Johanniter bei und
beschließen ihren Lebensabend - hoch angesehen - in der Komturei
Lietzen, die an die Johanniter überging; weit ab vom
Einflussbereich des Erzbischofs von Magdeburg.
1310 lässt Burchard III. von Scharpelau, Erzbischof von
Magdeburg, entsprechend dem Gebot von Papst Clemens V. die
Templer "in curiis domibus Wichmannsdorp ac Bolstede et
Jerdingesdorp Halberstadensis diocesis" gefangen nehmen und ihre
Güter einziehen. Daraufhin belegte der Bischof von Halberstadt,
Albrecht I. Fürst von Anhalt, den Erzbischof mit dem
Kirchenbann. Der Papst beauftragt daraufhin die Bischöfe von
Brandenburg, Merseburg und Hildesheim auf den Halberstädter
Bischof dahingehend einzuwirken, dass er den Bann zurücknehme.
Die Komturei in Wichmannsdorf verfiel im Laufe der Zeit und
wurde abgebrochen. Aus den Steinen soll der südliche Turm der
nahen Hundisburg erbaut worden sein, der deshalb noch heute den
Namen Tempel- herrenturm trägt. Die Kapelle stand noch bis Mitte
des 15. Jahrhunderts und verfiel mit der Verödung des nahen
Dorfes Wichmannsdorf. 1892 wurden die Reste der Komturei durch
den Haldenslebener Glasfabrikanten Lomitz vermessen und
beschrieben.








