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Templerkomturei
Burg
Wichmannsdorf
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Während
der Kreuzzüge entstand eine Verbindung von Mönchs- und Rittertum in den
geistlichen Ritterorden. Einer von diesen nannte sich der Templerorden (die
Brüder vom Tempel zu Jerusalem). Seine Aufgabe war, die Pilger zu schützen
und Andersgläubige zu bekämpfen. Allmählich wuchs die Zahl der Tempelritter,
und durch Schenkungen und Stiftungen gelangte der Orden bald zu großem
Reichtum und Ansehen. In Deutschland und auch im Erzstift Magdeburg wurden
die Tempelritter ansässig. Das Erzstift hatte vier solcher Komthureien oder
Ordenssitze, und zwar in Magdeburg, Mücheln im Saalkreise, Wichmannsdorf
und
einen vierten, dessen Ort noch nicht festgestellt worden ist. Man nimmt an,
dass es die Uhlenburg bei Ivenrode gewesen ist. Wahrscheinlicher ist wohl,
dass sich dieser vierte Sitz in Groß Santersleben befunden hat. Eine Urkunde
von 1215 erwähnt, dass Herzog Otto von Lüneburg sein Eigentum den Streitern
Christi, welche den Tempel zu Jerusalem daselbst dienten, zum beständigen
Besitze verliehen habe. Der bedeutendste Sitz der Templer war das
Haus oder der Hof des Ritterordens vom Tempel zu Jerusalem auf der südlichen
Höhe am Nonnenspring in der Nähe der wüsten Dorfstätte Wichmannsdorf. Dort
stand ein festes, massives Haus mit Turm, von Wall und Gräben umgeben. Der
Wächter ließ die Einlass begehrenden über die Zugbrücke ein. Hier lebten vier
Ritter unter dem Meister oder Komtur, aus angesehenem gebildetem Adel
entstammend, mussten sie einige Jahre im heiligen Land gelebt und dort die
hohen Gelübde ihres Ordens erfüllt haben. Sie trugen ein rotes Kreuz auf weißem
Mantel. Geheimnisvoll wurden die Sitten und Gebräuche des Ordens gehalten
und geübt, so dass unsere Väter die Stätten dieser Ritter mieden und
fürchteten. Nach und nach erwarb der Tempelhof zu Wichmannsdorf viele
Einkünfte und Güter in den benachbarten Orten und Wäldern. Vor 1289 gehörte
dem Orden schon der größte Teil von Bülstringen, wozu er noch 1289 vom
Grafen von Wernigerrode einige Lehensrechte erkaufte und vom Grafen Konrad
das Dorf Wolfshausen geschenkt erhielt.
Bruno von Eilsleben verlieh bei der
Aufnahme seines Sohnes in den Orden die Rechte an 5 Höfen und 5,5 Hufe Land
in Bülstringen. Als letzter Komtur zu Wichmannsdorf wird 1307 Friedrich von
Alvensleben, der zugleich Provinzialmeister des Templerordens in Alemanien
und Slavien ist, erwähnt. Er ist „ ein ausgezeichneter Mann in dem sich, wie
Pius der Zweite sagte, der Adel eines uralten Geschlechtes, persönliche
Würde , Charakterstärke und Seelengröße mit einer strengen Gerechtigkeit
verbunden habe.“
Unter ihm schien eine Glanzzeit für
Wichmannsdorf anzubrechen, aber es kam anders. Der Templerorden hatte Neid
und Haß, Furcht und Mißtrauen bei Philipp dem Schönen von Frankreich
hervorgerufen. Er ließ von 1307 an alle Ritter gefangen nehmen. In
Deutschland ist kein Blut bei der Aufhebung dieses Ordens geflossen.
Friedrich von Alvensleben verkaufte 1307 mit Einwilligung der Ritter die
Güter des Tempelhofes zu Wichmannsdorf, nämlich für 300 Mark Silber
Bülstringen seinem Bruder Albrecht von Alvensleben. Nachdem er das Geld für
alle Grundstücke erhalten hatte, verschwand er mit seinen Ordensbrüdern.
Niemand weiß, wo sie geblieben, keine Urkunde erwähnt ihr Ende oder ihren
Aufenthalt. Man vermutet, dass sie auf der Linderburg bei Utmöden ihr Leben
beschlossen haben. Der Tempelhof aber zerfiel, er wurde abgebrochen und aus
den Steinen soll der südliche Turm des Schlosses Hundisburg erbaut worden
sein. Dieser führt deshalb den Namen Tempelherrenturm. Nur die Kapelle blieb
noch stehen, bis auch sie mit dem Nahen Wichmannsdorf um die Mitte des 15.
Jahrhunderts verödete. Heute ist die einstige Wohnstätte der Weißmäntel mit
Wald bestanden.
Entnommen der Heimatkunde des Kreises Neuhaldensleben
Von Kantor Bock, Emden
Neuhaldensleben1920


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